Evolution

 

“Huga buga he.”

Er röhrte noch einmal: „Huga booga hey“.

Hugel hielt mitten im Paarungsritual still. Hochkonzentriert lauschte er, hielt den Atem an, alle Sinne auf vollen Empfang, völlig unbeweglich verharrte er über seinem Weibchen.

Nichts.

Keuchend machte er weiter. Immer wieder hob er zwischendurch seinen massigen Oberkörper und blickte sich um.

Das Weibchen unter ihm grunzte über diese Unterbrechungen missmutig.

Wieder blickte er sich um, ob da nicht ein Feind lauerte, ob er nicht beobachtet wurde, oder gar angegriffen, in dem Augenblick, da er von aller Sorgsamkeit entrückt sich vergessen wollte.

Er lehnte sich auf, drehte den Oberkörper, während er noch in ihr war und brüllte laut.

“Huga huga.”

Dann rammelte er so schnell es ging sein Lieblingsweibchen Hilla, die einzige, bei der er es wagte, sie von Gesicht zu Gesicht zu begatten

-aber er hatte keine Ruhe.

Er ging raus, drehte sie mit dem Rücken zu sich und suchte selbst als Deckung einen Felsen hinter seinem Rücken. In dieser Stellung konnte er, während er mit seinem Befruchtungsstab in ihr war, die Umgebung beobachten.

Er rammelte sie so schnell seine schon schlaffen Muskeln es hergaben und besamte sie.

Gleich danach stieß er sie sich von sich ab

Mit lautem, tierischen: „Huuga buuga he“, richtete er sich auf und trommelte sich auf die behaarte Brust.

Das Weibchen vor ihm, noch im Vierfüßlerstand wartete, wünschte sich, er würde weitermachen. Doch Hugel presste lediglich seine haarige Hand auf die Stelle, aus der sein Saft rausquoll und heiligte seine Befruchtung final mit einem deutlichen lautem „Haga huga orglas“ ab.

Hilla wusste nun dass es nicht mehr weiterging. Enttäuscht zog sie ihre Felle zusammen, Hugel band sein mittlerweile erschlafftes tropfendes Geschlechtsteil mit einem Lederband nach oben, bedeckte sich mit einem Lendenschurz und entfachte das Feuer, an das sie sich wenig später setzte.

Hilla sah ihn an und er sah es in ihren Augen, wie zornig sie war, aber er ignorierte es.

Schließlich war er hier der erste im Rudel, musste es doch eine Würde für sie sein, von IHM besamt zu werden.

Er setzte sich nahm sich etwas getrocknetes Fleisch und gab ihr etwas davon ab.

Sie lehnte ab.

Irgendwie fühlte er, dass der Missmut von Hilla tiefer saß.

„Hilla hagge huh, sie tu no ficki ficki satis no“ zischte sie wütend.

Hugel sah sie an. Das hatte es noch nie gegeben.

Er hatte gute Lust ihr eine herunterzuhauen, lies es aber.

Irgendetwas stimmte nicht.

Dieser Missmut war ihm nicht unbekannt, aber, dass Hilla es wagte ihm offen zu widersprechen, das machte ihn stutzig.

Er wusste nun genau, dass in seinem Revier irgendetwas nicht stimmte, dachte nach, soweit das seinen bescheidenen Rahmen nicht sprengte und durchwühlte hektisch das gekräuselte Haar auf seinem muskulösen Oberkörper.

Er blickte sich um. Hilla kaute verbissen an dem getrockneten Fleisch.

Sie war sein hübschestes Weibchen.

Sie war sein Weibchen.

Er, Hugel, war ihr Guckl.

Warum benahm sie sich so? Und nicht nur sie, alle Frauen in seinem Rudel benahmen sich komisch in letzter Zeit.

Er würde eine Versammlung einberufen müssen.

Das alles und vielleicht noch mehr, dachte er sich, als er neben der brummigen Hilla in das auflodernde Feuer starrte und ihr leise: „Hilla, sie tu no zicki zicki satis so“ zuknurrte.

Aber damit war es nicht getan, er musste dieser kollektiven Unzufriedenheit der Weibchen seiner Horde auf den Grund gehen.

Ungeduldig saß er da und plötzlich, wie von einer Tarantel gestochen stand er auf nahm den Holzstab mit dem stinkenden Mammutkopf und rammte ihn neben dem Feuer in den Platz.

Das Zeichen, dass sich alle seiner Horde noch am selben Tag versammeln mussten.

Missmutig knurrend umrundete noch zweimal das Feuer, nahm seinen Feuersteinspeer und verlies Hilla.

Es passte ihm ganz und gar nicht, wie sie ihn angezischt hatte.

„Wrugl, migul  zicki da satis fu,“ murmelte er und mit großen wütenden weitausholenden Schritten, die seine von der Paarung strapazierten Hinterbacken brennen ließen, boxte wütend mit den Fäusten in der Luft herum und schlug gegen Feldsteine bis er blutige Zehen hatte.

Ein wenig beruhigt leckte er seinen Fuß dann stand er wieder auf und ging nachdenklich eine Runde durch das Lager.

Da vernahm er laute Paarungsgeräusche hinter dem Rosenbusch.

Er kannte die Stimmen, es waren Zinga und Horux, ein zart aussehendes, ausschließlich aufrecht gehendes Paar, das vor kurzem zu seiner Horde gestoßen war.

Zinga schrie so laut wie ein läufiges Säbelzahntigerweibchen.

Heimlich schlich sich Hugel näher heran und beobachtete sie. Sie ließ sich von Horux begatten. Aber etwas war merkwürdig. Er begattete sie nicht normal, sondern er war mit seinem Mund da, wo Üblicherweise der Samenstab hingehörte. Zinga schien es zu gefallen. Horux leckte sie wie ein Tier und machte dazu: „Cunnilgungl cunnigl“.

Hugel war entsetzt, mit Grauen wand er sich ab. Das ist ja ekelhaft.

Und wieder stürzte Horux sich über sie, das Maul glänzend von ihren Säften, berührte mit den Lippen Zingas Brüste, die in ihrer Größe Hugel an die Hinterbacken eines Weibchens erinnern ließen.

Was fand diese Zinga nur an Horux. Diesen dürren, weibisch wirkenden Kerl mit den dünnen Haaren. Viele Frauen im Lager fanden irgendetwas an ihm.

Dabei war er ganz nackt. Fast unbehaart. Auch sein Gesichtshaar war eher spärlich. Und er hatte Augen, die wie Steine leuchteten. Nicht sein Geschmack. Aber alle Weibchen schauten ihn so interessiert an. Das hatte er schon bemerkt. Hugel überlegte, wie er ihn von seiner Horde wieder verjagen konnte. Aber Horux war zu beliebt, auch bei den anderen Männchen, trotzdem er ein schlechter Jäger war.

So auch, dass Hugel sich nicht erklären konnte, warum Valva dieses rothaarige Weibchen schon wieder trächtig war. Hatte sie doch erst im Frühjahr ihr erstes Junges bekommen. Und nun war noch nicht mal Schnee.

Hilla hatte ihm noch immer keinen Häuptling geschenkt, und dieser Horux bekam schon das zweite Junge.

Die beiden brüllten immer noch. Wie lange ging das eigentlich.

„Krugl ma hoog“, murmelte Hugel.

Lauter goldhaarige Kinder würde es geben, wenn die beiden so weitermachten.

Er sah Horux Hintern, wie sich dessen Backen blähten, bei jedem Stoß, und Zingas Beine. Sie rollten sich und er lies Zinga nach oben.

Was bildete der sich ein, dieser Horux.

Doch trotz aller Abneigung erregte die Szene Hugel.

Er musste das Band, das sein Glied am Körper fixierte lockern.

Ungeduldig schaute er weiter zu.

„Ka Hagi di krug die huuga bugga“ murmelte er abfällig.

Und was machten sie jetzt?

Zinga stieg ab von ihm, warf ihr Haar nach hinten und näherte sich mit ihrem Mund seinem Zauberstab.

„Blow jobbo, blow jobbo felatscho“ machte sie dazu.

So ging das eine ganze Weile, schließlich samte er und sie blieb dann mit dem Kopf auf seinem unbehaarten Bauch liegen.

Hugel wartete, bis Horux sich vielleicht endlich entfernte, dass er Zinga danach vielleicht besamen könnte, ihm war schon danach. Schließlich war er Häuptling.

Aber sie blieben ineinander verschlungen liegen, wie Wildkatzen.

Leise schlich er sich vor und stellte sich breitbeinig vor die gepaarten.

“Huga buuga he,” brüllte er, seinen geschärften Befruchtungsspeer schwenkend.

Zingas Augen weiteten sich entsetzt.

Horux sprang auf und stellte sich dicht vor Hugel.

Beide Männer waren zum Kampf bereit, Auge in Auge standen sie sich gegenüber.

Da sprang kreischend Zinga auf Hugel zu.

„Trugl bugl, Hugel“, brüllte sie, sprang ihm auf den Rücken.

Aber was tat Horux? Ohne den Blick von Hugel abzuwenden nahm er dessen Befruchtungsstab in die Hand, und begann ihn zu reiben.

Dabei wand er den Blick nicht ab und Hugel blickte in diese sanften blauen Augen.

Verblüfft beobachtete Zinga die Szene.

„Horux- haga die hugel“ meinte sie, stieg ab, aber die beiden Männer waren schon völlig mit sich beschäftigt und ignorierten sie.

Die Wendung war für sie unerwartet. Horux und Hugel begannen mit ihren Stäben zu fechten.

Zinga verlies wutschnaubend die Szene und trommelte laut:  schreiend die anderen Frauen der Sippe zusammen. “Horux haga Hugel di mi Guckl“.

Die Männer wälzten sich auf dem Boden herum, Horux hatte Hugels Befruchtungsstab bis zum Heft im Mund als die anderen Weibchen mit Zinga staunend den Platz erreichten.

Horux machte dabei: „Hompfso Hompfseks “

Schnatternd sahen sie zu wie sich die Männer vergnügten.

„Hompfoseks Homosegks“ wiederholten die Weibchen im Chor.

Die Männchen hatten die Homosexualität erfunden.

Die anderen Männer kamen hinzu.

Wild entschlossen forderten die Frauen die Männer auf.

Es kam wie es kommen musste, schließlich versuchte es jeder mit jedem, jede mit jeder und jedem.

Mit lautem „Org- Org iih“ fielen sie alle übereinander her.

Das war die Geburtsstunde der Orgie.

Einer der Männer, völlig vergessen in blinder Triebhaftigkeit, nahm sich des Hausschweins an, das laut: „Soii soii do mi“ aufquiekte.

Das war Sodomie.

Stunden später lagen alle erschöpft und glücklich um das Lagerfeuer herum.

 

Eine Gruppe Affen hatte das zufällig beobachtet, sogenannte Bonobo Affen die diese Strategie fortan in das Repertoire ihres Trieblebens aufnahmen.

Tja, die Bonoboaffen sind dabei geblieben und tragen seit jener Zeit alle Konflikte durch Gruppensex aus.

Die Menschen haben sich irgendwie anders Entwickelt.