Blind Date

 

 

„Ich hatte sie mir damals im Internet ausgesucht. Dort hatte sie inseriert.

Geile Schlampe bläst gern und sucht hübschen Kerl mit schmutziger Phantasie zum ausgehen, stand da. Wow, dacht ich mir, mehr als´n Sechser im Lotto. Hab ich natürlich nicht stehen lassen. Ich wette, hättet ihr auch nicht.

Gut, hab ich natürlich sofort angemailt,

mit eingescannten Bild von mir, ich, in Ibiza mit heißer String-Badehose -als ich noch mit Jasmin zusammen war. Jasmin war da natürlich nicht drauf, auf dem Foto. Jasmin war auch ne´ geile Schlampe, bis sie mir in Ibiza mit nem anderen . . . aber was red ich, ich wollt ja  was ganz anderes erzählen.

Na gut, ich schreib dieser Internet Tussi also ´ne Mail, schick dieses Foto da mit, und hoffe, dass es was wird.

Das war der Dienstag.

Und dann am Mittwoch, ich meld mich im Netz an und ich schau nach und was sehe ich: Tja, genau, die Schlampe hat mir geantwortet. Wir treffen uns am Wochenende.

In Berlin.

Da wo sie wohnt.

In Berlin Kreuzberg.

Da, wo die Straßen nach Sperma riechen.

Na ja, bei RTL 2 ist das so.

Geil, denk ich mir, mehr als ´n Sechser im Lotto.

Bis zum Wochenende kauf ich mir noch, was man für so´n Wochenende alles so braucht. Bin dafür extra in die nächste Stadt gefahren. Handschellen, Peitsche, Gummis noch ne neue Unterhose, alles mögliche.

Muss ja sein, oder.

Und zum Friseur noch am Donnerstag, am Freitag treffen wir uns und einen Tag muss der Haarschnitt alt sein, sonst sieht man so geleckt aus.

Obwohl sie bestimmt darauf steht, auf geleckt.

Am Freitag in der Arbeit arbeitet die Orgasmusmaschine in meinem Kopf schon so permanent, dass ich froh bin ´ne weite Hose anzuhaben.

Zweimal gehe ich aufs Klo, mach sie auf, die Hose, hol meinen Ferrari raus und halt ihn in der geschlossenen Hand fest. Meine Eichel leuchtet, ich gehe mit meiner Hand rauf und runter, immer schneller,  ich stöhne, merke, dass ich zu laut bin, im Firmenklo, rauf und runter,  da, da, da, jetzt, ja ja ja, okay, Klopapier, wegwischen, na ja, noch n paar Stunden, mach´s ja nicht zu oft, denk ich mir, sonst geht heut Abend nix mehr, und ich freu mich so, auf die Alte aus Kreuzberg.

Endlich Feierabend, ich geh nachhause, werfe mich in Schale, zieh mir die Unterhose an, die ich mir zwei Tage zuvor gekauft habe, stell mir die Spiegel so, dass ich mich anschauen kann:

Von hinten, von der Seite, sieht gut aus, ist schwer okay, ich könnt mir schon wieder einen . . .

Nein! Jetzt ist Schluss! Sonst geht später wirklich nix mehr.

Spanische Fliege nehme ich noch mit, dann isses gut.

Ab in den BMW, auf die Autobahn, dreihundert Kilometer muss ich fahren.

Mit meinem rechten Fußgelenk lasse ich zweihundertfünfzig steifschwänzige Araberhengste von der Kette.

Der BMW brummt, ich mach die Musik an, der Bass bläst durchs Hirn, vibriert in den Eiern, die Gefahr macht mich geil, Vollgas, bei Zweihundertzwanzig eine Hand am Lenkrad, die andere in der Hose, schade, dass ich nicht noch dabei Rauchen kann.

Nach zwei Stunden bin ich vor der Stadt, bin nicht gekommen und muss am Parkplatz ein wenig warten, bis ich mich

-und vor allem auch ER,

sich soweit beruhigt haben, dass die Hose wieder zugeht.

Bei Straßenbeleuchtung in der Stadt kann ich IHN nicht nach draußen schauen lassen.

Ich hab´s geschafft, kämpf mich mit Stadtplan durch das Labyrinth, voll die Fette Stadt ist das,

Berlin Kreuzberg, das ist voll die Fette Gegend eye,

dunkel,

duster,

stinkend,

genau das, was ich jetz´ brauch.

Dann der Laden, oder das Cafe, wie sie schrieb, ich geh rein, Trance läuft, so der gute alte Techno-Trance, oder so was,

ich geh an die Bar und bestell mir einen Wodka Lemon, keinen Gin, der ist mit Chinin und das macht ja impo, also ich geh an den Tresen und bestell und warte.

Sie kommt zu spät, wie sich das so gehört.

Sieht gigascharf aus. Enges Top, Leder, hinten geschnürt, Piercings am Bauch- na klar, alles bestens. Sie hat wilde Tatoos, fast schon wie Comics, die Ohren, Augenbraue alles voll gestochen, über dem Kinn ein kleines Silberhorn, dazu n´Gummirock mit Radarstockings, die Haare lang, dick, schwarz.
Ihr Erkennungszeichen, ne tätowierte Kobra, die aus ihrem Rock kommt und auf ihrem Unterbauch mir entgegengrinst, ist gut zu erkennen. 

Ich schätz sie so Mitte dreißig, also ´nen Zehner älter als ich, für mich genau richtig.

Ich atme auf, hatte schon Angst, sie wär dick oder so was, Foto war ja keins dabei, is ja ´n blindes Date, nur sie weiß worauf sie sich einlässt.

Was ist, denk ich, was is los in der Hos´, denk ich, sie sieht so scharf aus, der kleine  Ferrari sollte sich jetzt anfangen aufzubäumen, is wohl aber nervös, spürt dass er irgendwann ran muss, na ja, soll er noch Pause machen.

‘Hei’, sag ich, ‘bist du die Bettfrau ett hotmail dot com’?

‘Klar’ sagt sie, ‘bin ich’, sagt sie, ‘klar, Lenka heiß ich normalerweise, hab dich gleich erkannt, siehst aus wie auf dem Foto’, sagt sie, ‘und, wie gefalle ich dir’?

‘Megagiga’ sag ich, ‘bist ja voll die fette Frau eye’, sag ich.

Kurz, klar, logisch, wir wissen beide sofort Bescheid, unsere Chemie harmoniert, unsere Säfte werden sich ohne weiteres miteinander mischen lassen, ohne Krampf, sie ist cool und gefällt mir. Sie bestellt und wir trinken.

‘Na’, sag ich.

‘Ja’, sagt sie, dann sag ich:

‘Find ich ja voll cool, dass du dir das so traust, so als Frau, so alleine zu annoncieren im Netz’.

‘Wie? Wieso als Frau’, fragt sie.

‘Wieso denn nicht als Frau’, sagt sie.

‘Ich mein’, sag ich, ‘wenn dir jemand blöd kommt, was machst du dann’?

Sagt sie: ‘Wie soll mir denn jemand blöd kommen, ich seh ja das Foto, was soll da schon passieren’.

Sag ich: ‘Ja, hast recht, sag ich, ich wollt halt nur so reden’.

Sagt sie: ‘Ach so, süß,’ sagt sie und fährt mir mit ihrem dunkelblauen Fingernagel über die Backe. Wuw.

Ich nehm meine rechte Hand an ihren Arsch, krall so zu, zieh sie zu mir, und sie biegt sich gleich mit ihrer Hüfte an mein goldenes Vorderteil, mein Ferrari kommt gleich mächtig ins Schwitzen, weil er keinen Platz zum Stehen findet, aber ich merk, auch wenn’s grad wehtut, dass er funktioniert und bin beruhigt, obwohl das dafür nicht der richtige Ausdruck ist.

Ich könnt sie gleich, könnt sie gleich in der Kneipe hier, und Küss sie, da ist sie mit ihrer Hand gleich in meiner Hose, hat alles aufgemacht, ich schwitze, die Kneipe is voller Leute, wir stehen an der Bar und sie hat mir die Hose aufgemacht und mein Ding in ihrer Hand mit den blauschwarzen Fingernägeln, sie drückt ihn, ich glaub ich träume.

‘Uff’, sag ich nur noch, ich sag nur noch: ‘Uff’ -und sie lacht mir ins Gesicht.

Schaut ihn sich an, in aller Ruhe und

die Anderen in der Kneipe wahrscheinlich auch.

‘He Lenka’ sagt der Keeper mit einem strafenden Grinsen, ‘nicht hier’, sie packt ihn wieder ein, in aller Seelenruhe.

‘Mist’, denk ich, ‘nettes Höschen haste an’, sagt sie, ich pfeif schon aus´m letzten Loch und seh im Spiegel, wie sie mir die Hose wieder zumacht.

‘Soviel zum Smalltalk’, sagt sie.

Mann, denk ich, die Frau is ja voll fett, denk ich mir so, und trink mein Drink. ‘Na ja’, meint sie, ‘hier können wir nicht bleiben’.

Ich bezahle, geh noch auf die Toilette, mein Schwanz voll hart, ich treff die Schüssel kaum, schaffs gerade noch, mich nicht selbst nass zu machen, und als ich zurückkomme, denk ich wieder daran, was vorher war, im Kopf wird’s mir heiß, ich spüre es, ich hab rote Ohren.

‘Wo gehen wir hin’, frag ich, ’na ins Kitty’, sagt sie, ‘kennst du doch bestimmt’.

Sag ich: ‘Ne kenn ich nicht, was ist das’.

‘Na so´n Laden’, sagt sie,

‘Was für n´Laden, ne Disco?’ frag ich,

‘ne’, sagt sie, ‘Disco hört sich scheiße an, is mir zu . . .ach . . wirst ja sehen, so´n Club halt, so . . n´scharfer Laden eben- aber wirklich richtig scharf’, sagt sie und mir wird schwindelig.

Ich führ sie zum Wagen, sie steigt ein, hab natürlich die richtige Stelle an der CD, der Bass wummert durch die Gedärme, der Wagen fährt los, langsam ruhig, ich lege vorsichtig meine Hand auf ihren Schenkel, sie spreizt die Beine.

‘Wie lang’? frag ich

und sie sagt nix,

macht mir nur die Hose auf, nimmt meinen Ferrari, zeigt mir den Weg damit, sie biegt ihn nach vorn, ‘das heißt Gas’, sagt sie, macht die Musik so laut, dass meine gegelten Haare wie im Wind flattern, wenn ich nach links fahren muss, fährt erst der Ferrari nach links, nach rechts fährt er nach rechts, und so weiter. Gleich sind wir da, an der Disko, Quatsch, dem Laden, ich muss Hose und Shirt an der Garderobe abgeben, sie zieht sich nur mal eben die Strümpfe aus und stopft sie in die Handtasche.

Drinnen begegnen mir splitternackte Frauen, in der Disco, na ja, dem Laden, fast nackte Männer, in der Disco, alle so im sadomaso Outfit, ´n Typ sitzt in der Ecke und onaniert, ´n kleiner Typ mit nem Schwanz, der so groß ist, wie das Auspuffrohr von meinem BMW. Ehrlich, ich muss schlucken, so groß ist meiner nicht, macht nichts, denk ich mir, darauf kommt’s jetzt nicht an, aber trotzdem, mein Ferrari hat was gemerkt und steht kurz mal nicht. Ich hol was zu trinken, Lenka auf der Tanzfläche, superscharf die alte, wedelt mit den Hüften dass den Typen die Augen rausfallen, ich bin stolz, hab sie mitgebracht, ist meine Alte, da könnt ihr mal sehen, denk ich mir, die besten Weiber kriegen immer die geilsten Typen. Genau.

Ich komm von der Bar, die zwei Drinks in der Hand, sie kommt zu mir, nimmt mir das Glas ab, trinkt, küsst mich, fasst mich an, ich hebe ihren Rock sie hat natürlich kein Höschen an, warum auch, ich werfe einen Blick ins Dreieck das kein richtiges Dreieck ist, denn sie ist glattrasiert, aber schön, ich fang an sie zu streicheln, sie meinen wieder in ihrer geschlossenen Hand, da kommen sie plötzlich an, die Hände von den anderen Typen, fummeln in meinem Revier, sie lässt sich´s gefallen, ich kucke blöd, sehe ihre Lippen, ihr rosanes Ding, ihre Schenkel glänzen, fremde Männerhände, sie befummeln sie und ich schau blöd aus der Wäsche. Meiner wird klein, das merkt sie schließlich,

Mit einer Handbewegung, wie man Fliegen verscheucht wehrt sie die Typen ab, und fragt:

‘Was is’, und ich sag: ‘ich pack das nicht mit den Anderen’, sag ich.

‘Na was’, sagt sie, ‘umgekehrt wär’s doch dein Traum oder’?

‘Aber so rum irgendwie  nicht’, sag ich, unsere erste Meinungsverschiedenheit, sie drückt kurz ihre Nägel in meinen Ferrari, der in Schallgeschwindigkeit wieder steht.

Wir sehen uns in die Augen.

Sie drückt noch mal, fester, tut richtig weh, einmal rauf und runter und ich komm, komm mit Lichtgeschwindigkeit, Millionen Einzeller laufen ihr über die Finger, es hört ewig nicht auf zu pumpen, wenn’s mir kommt, dann richtig.

‘Geht schnell’, sagt sie, ‘iss aber nicht schlimm’, sagt sie, und ich weiß, wenn sie so was sagt, dann isses superschlimm, soviel hab ich schon kapiert bei den Frauen.

Ich an die Bar, wieder was holen, voll ernüchtert, tu mir die spanische Fliege in den Drink, alles auf einmal, geh zurück. Sie tanzt wie wild und als ich zurückkomme turnt sie mit ´ner anderen Frau rum.

‘Seufz’ denk ich, ich weiß, dass mein Ferrari jetzt erst mal abkühlen muss und ich schäme mich, vor all den anderen, ich war so schnell, peinlich, hätts gern gehabt wie sie alle sehen, wie lang ich´s aushalten kann. Die Typen fummeln alle rum, ich bin grad am überlegen, ob sich die dreihundert Kilometer überhaupt gelohnt haben.

 ‘Wir gehen’, sagt sie, ‘zu mir’, sagt sie, ‘nicht mehr cool hier’, sagt sie.

‘Okay’, sag ich, ‘machen wir’ sag ich.

Sie wohnt in einer schlampigen Bude mit schwarz angemalten ollen Möbeln von Ikea, ich packe meine Peitsche aus, sie nimmt sie und fesselt mich mit den Handschellen an das Bett.

Ein wenig komisch war das schon, das erste mal, so gefesselt ans Ikea Bett, Modell Kromfick, sie streichelt mich ein bisschen mit der Peitsche und lässt sie dann auf mich knallen, tut voll weh, ist überhaupt nicht schön, aber sie törnt es an, deshalb halt ich’s Maul, Indianer kennt kein Schmerz, kennt man ja.

Dann steht sie über mir und holt sich einen runter. Gut, mein Schwanz kommt wieder so langsam, sie macht mich los, zieht mir vorher noch nen Gummi drüber und dann geh ich rein.

Am Anfang ist es voll geil, wir probieren alles mögliche aus.

Aber dann,

nach Stunden,

als ich zum x-ten Male ihren Busen gesehen hab,

ihren flachen Bauch in allen Positionen

und zum tausendstenmal ihre Pofalte

und ihre gesamte restliche Geschlechtsgarnitur,

als wir nun schon mindestens zwei Stunden rütteln, mein Ding immer nur dreiviertel steif, aber tut schon scheiße noch Mal weh,

als wir nach drei Stunden immer noch rütteln und rütteln,

da wird’s allmählich langweilig,

die Sache mit dem Sex.

Ich komm nicht noch mal heut Abend, muss an der Spanischen Fliege liegen. Wir schwitzen uns einen ab, aber nix geht. Nach vier Stunden, es ist schon hell, mein Ferrari ist richtig rot, teilweise blau, nach vier Stunden schaut sie mir so hasserfüllt ins Gesicht, dass ich freiwillig rausgehe.

Ja gut, sie hat alles probiert, aber ich komm heut einfach nicht noch mal.

Sie wirft mich raus. So eine Blamage.

So ein Scheiss.

Nicht mal im Auto kommt’s.

Hoffentlich kommt’s überhaupt noch. Vielleicht hat sie mich ja mit irgendwas angesteckt, und es kommt nie wieder. Jetzt steht er noch nicht mal mehr.

Zwei Alternativen hab ich im Kopf beim Heimfahren:

Der Brückenpfeiler oder Schwulwerden. Ich glaub, das mit dem Schwulwerden, vielleicht wäre das doch die bessere Idee. Na Ja. Ziemlich blöder Abend würde ich sagen. . . .

Bis hierhin erst mal. Ich . . .erkläre dann später mehr . . .“

 

 

Zweiter Teil

 

„Die Geschichte mit Berlin beschäftigte mich lange.

Heimfahren, mit dem BMW, bin nicht an den Brückenpfeiler geknallt, mein Kopf war am Arbeiten wie blöde, die ganze Zeit, ich fuhr langsam, schwulsein- ist nichts für mich, nicht mein Ding, das wusste ich drei Stunden später genau.

Ich, also nach Hause, ich also angekommen, vormittags, ins Bett, sofort, ich penn also erst mal voll fett ab.

Ich träum, ich träum so´nen Mist, das glaubt man nicht, is aber echt wahr, ich träum also so´n verrückten Traum.

Die Alte, also Lenka, also die Alte, sieht plötzlich aus wie meine Mutter, hat plötzlich die dicken Beine meiner Mutter, den dicken Busen, alles voll dick, alles voll muffig, aber ihr Kopf dazu, ihre Piercings, hat ne Schere in der Hand, ne riesen Schere, verdammt, denk ich mir, so im Traum, was hat sie damit nur vor.

Da lacht sie, lacht mich aus, oh fuck, denk ich mir, oh Shit, und auf einmal, fängt dieses Gesicht an, sich abzuwechseln und so, mal meine Mutter, mal diese Frau, und dann, ihr glaubt es nicht, dann nimmt sie diese Riesenschere, diese verrostete Monsterschere und fängt damit an, mir meine, ich kann es immer noch nicht glauben, fängt an, mir damit meine verdammten Eier abzuschneiden.

Geheult hab ich, im Traum, scheiße geheult hab ich und wach auf von meinem eigenen Geheule, mein Ding in der Hand und ich voll die mega fetten geschwollenen Eier. Muss mir da was ganz fiese abgeklemmt haben.

Ich wach also auf, mein Ding in der Hand, meine Klöten geschwollen wie Luftballons, nicht mal ´ne Frau liegt neben mir, ich, von meiner Mutter kastriert, und ich denk mir nur fuck, fuck, fuck, denk ich, das kann doch nicht wahr sein.

Den ganzen nächsten Tag hing ich in den Seilen, oder besser, im Bett rum, hing rum, impotent, mit geschwollenen Geschlechtsteilen, warum weis ich nicht, schwoll dann irgendwann ein bisschen ab, endlich konnte ich wieder schlafen.

Am Montag, ich in die Arbeit, ich, morgens in den BMW, die Klöten immer noch dick, ich fahr los und geht mir die Kupplung kaputt. Die Kraft von dem Motor, ich krieg sie nicht mehr auf den Boden.

Alles scheiße, denk ich.

Die Kraftübertragung ist weg.

In der Arbeit geht irgendwie alles daneben, seit Wochen bin ich nun zurück, von dem Blind Date. Lenka, die Alte, sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Die Nächte, ich krieg kein Auge mehr zu, die Nächte, die sind der reinste Horror, ich lieg im Bett, stundenlang, überleg mir, wie ich´s ihr zurückgeben kann, dass sie mich rausgeschmissen hat, dass sie mich zurückgewiesen hat, mach an meinem Ferrari rum, der überhaupt nicht mehr steht, vielleicht sollte ich mal sagen an meinem Ding, es will nicht, -ich will nicht, , sie hat mich kastriert.

Auch bei mir scheint die Kupplung kaputt zu sein.

In der Arbeit alles Mist, ich hab keinen Bock, krieg die Kraft nicht mehr auf die Straße, steh in der Arbeit an der Maschine und denk mir:

Wer ist denn nun hier die Maschine, sie oder ich, nicht mal die Tussis aus dem Büro machen mich noch scharf, nichts geht. Oh Gott, denk ich mir, oh so ein Scheiß, das ist überhaupt nicht erotisch, so ein f. . ., denk ich.

Vier Wochen ging das so, vier lange Wochen und ich weiß nicht was ich tun soll. Oh Gott.

Nach vier Wochen, ist Himmelfahrt, zur Himmelfahrt fahr ich nach Berlin und geh in die Kneipe, da wo wir uns das erste mal trafen.

Ich hab ihr vorher bestimmt zehn mal gemailt, sie nicht zurück.

Ich zum Keeper, an den Tresen, ‘wo ist Lenka?’ Frag ich ihn, ‘nicht da’ sagt er, sag ich: ‘na wo,’ sag ich, ‘weißt du nicht ich muss die treffen,’ sag ich,  ‘die hat sich was vom mir eingesackt und das brauch ich wieder,’ sag ich.

Sagt er: ‘keine Ahnung, wo die ist, war schon lang nicht mehr hier.` Ich kuck ihm in die Augen, soll ich ihm drohen denk ich, soll ich ihm eine auf´s Maul geben, denk ich, da sagt er: ‘Bleib cool Alter,’ sagt er, ‘ist schon die Wahrheit, Alter,’ sagt er, ‘ich erkenn dich schon wieder, Alter, brauchst  deine Hose nicht runterlassen, so wie letztes mal, Alter, ich erkenn dich auch am Gesicht.

Er spendiert mir ein Bier, über Lenka redet er nicht, ‘aus Prinzip nicht,’ sagt er, ‘okay,’ sag ich, ‘ist okay,’ ich trink aus und zahl.

Ich fahr zu ihr nachhause, klingle, da ist sie nicht.

Setz mich vor die Tür, fünf Minuten, fünfzehn Minuten, eine halbe Stunde, eine Stunde, zwei Stunden, Zweieinhalbstunden und noch eine Viertelte dazu, dann steh ich auf.

Fuck, denk ich, fick dich, so ein Song von Rammstein spukt mir im Kopf rum, du hasst mich, und ich geh runter in mein BMW, ich schleiche los, ich such den Weg zum Kitkat Club, hör dem Brummen zu, keine Musik, die Kupplung geht grad so wieder, Vollgas geben darf ich nicht.

Also, ich in den Club, is voll leer, is nix los, ich bin fast der Einzige, es ist aber schon zwei, das darf doch nicht wahr sein, denk ich mir.

Nur die Bedienung ist da, aber bis auf: Noch ein Bier-

Versteht sie nichts, ist nicht ansprechbar, ich kann sie verstehen, ist auch genervt dass heute nix los ist.

Also, ich wieder zurück, zu Lenka´s Wohnung, ich geh die Treppe hoch, da steht sie vor der Tür, sieht verzweifelt aus, versucht die Tür zu ihrer eigenen Wohnung einzutreten, mit ihren spitzzulaufenden dünnen Lederstiefeln.

‘Das wird nix’, sag ich, ‘hey Lenka, das wird nix’.

Sie schaut mich an.

‘Was tust du hier,’ sagt sie, ‘gut dass du da bist,’ sagt sie.

Ich sehe sie an.

Aber lächelt irgendwie, irgendwie lächelt sie, kurz, dann cool, sie sieht ein wenig kaputt aus, nicht so aufgedonnert, ohne Schmuck, so normal.

‘Ich,’ sag ich und schlucke dreimal, nehme meinen ganzen Mut zusammen, schlucke, ‘also’, ich sag ich, ‘ich möchte. . . .’

‘Ist schon okay,’ sagt sie.

Hey, ich glaub ich wird verrückt, ich hat so ne Wut auf die Frau, was ich ihr alles sagen wollte, dieser Frau, ich seh sie an und das Herz rutscht mir in die Hose, und ich seh sie an und meine Knie werden wie Butter, ich dacht, wenn ich sie seh, da müsst ich aus allen Poren fahren, stattdessen sag ich nix, steh nur da und denk mir ob ich jetzt verliebt bin oder irgendso ´nen Scheiß.

‘Hey’, sagt sie, ‘schön dass de da bist,’ sagt sie, ‘kannst mir vielleicht helfen,’ sagt sie, und ich spür wie mein Ferrari auf sie scheißenochmal steht, spüre wie mir der blöde Einsamkeitsaffe vom Rücken springt, spüre, dass ich was für die Frau übrig habe.

Wir stehn da, alle beide, sagen nix, mein Ferrari in Startposition, ich in Abwarthaltung, sie in ichweißnichtwas Haltung, ihre Tür ist zu, oh fuck denk ich.

Ich hab sie so tough in Erinnerung, und sie fängt an zu heulen, was mach ich jetzt denk ich, oh Gott, denk ich, was soll ich jetzt tun.

Ich denk noch mal nach.

Also, denk ich, also, die Tür ist zu, denk ich, sie hat keinen Schlüssel, sieht mich, denk ich, freut sich, warum auch immer, weil sie mich wiedersieht oder weil sie nicht alleine ist, weiß der Geier aus was für nem Grund, denk ich, also, die Tür eintreten, sieht stabil aus, das ist scheiße denk ich, ob sie sich über mich freut oder über dass, das jemand da ist, ich kriegs nicht raus, durch nachdenken. Verdammt, denk ich, und sie heult, ohne Piercings, ohne Coolness und ich steh wieder da und glotz blöd.

Ich fass sie an, da wirft sie sich in meine Arme. Oh Mann, denk ich, tut das gut, denk ich, was soll ich tun.

Lange stehen wir so da, mein Ding, das steht in der Hose, gewaltig, ich die Frau im Arm, wenn ich jetzt was sag, denk ich, dann wird’s wichtig, denk ich, scheiße, was mach ich.

Ich also meine Knie zittern, ich also, was tun, und ich geh hin, trete gegen diese dumme Tür, da springt sie auf, ich völlig baff, dass das so schnell geht, wow, denk ich mir, hast du ´ne Power, auf einmal, ich trete an diese scheiß Altbautür, da springt die auf, wie von Zauberhand und Lenka lächelt mich an, ich glaub es nicht. Wir also beide rein, in ihre Bude, wie die Teenies stehen wir da, beide keine Ahnung was wir tun sollen, Gott sei dank, ihr fällt was ein, sie macht Kaffee.

Aber doch, es geht weiter, peinlich, uns beiden fällt nix ein, wir sitzen da, schlürfen schweigend den heißen Kaffee, eigentlich hätt ich so viel zu sagen, könnt zwei Tage am Stück reden, deshalb sage ich nichts, is wahrscheinlich besser so.

Die Küchen Uhr tickt scheißen laut, sie hat eine dumme laut tickende Küchenuhr die mich wahnsinnig macht, aber vor allem, dieses einfach nur so dasitzen und nix sagen, das macht mich fertig, weil es so schön ist.

Was is, denk ich mir, was is, hab ich mich jetzt verliebt? Ist es vorbei mit der Freiheit?

Sie macht das Licht aus, in der Küche, macht Kerzen an, richtet das Bett, küsst mich und sagt noch mal: ‘Danke dass du gekommen bist.’

Oh Mann, krieg ich jetzt schiss, oh Mann denk ich, wenn ich mich jetzt da dazulege, dann hat sie mich, dann hab ich ne Beziehung. Wollt ich dass? Dann krallt sie mich! Dann muss ich immer zwischen Berlin und zu Hause hin und herfahren, dann will sie mich. Für immer! Die gedachten Worte hallen zeitlupenmäßig in meiner Hirnschale.

Scheiße, denk ich. Was mach ich jetzt, so eine Entscheidungs-scheiße, denk ich mir.

Währenddessen lächelt sie mich an, richtig lieb irgendwie, ich pack es nicht, lächelt mich an, wie mich noch nie eine angelächelt hat, glaube ich wenigstens.

Ob ich´s wollte oder nicht, ich hing längst an der Angel, das also ist ein Blind Date, dacht ich mir, ich konnts nicht glauben, einmal ausprobiert, schon hängste an der Angel.

Jetzt macht sie auch noch das Licht aus, nur die Kerzen brennen, ‘du kannst hier pennen, wenn de möchtest,’ sagt sie, ‘wär gut,’ sagt sie, und mit einem Grinsen fügt sie hinzu: ‘du musst mich ohnehin beschützen weil meine Tür- die ist ja kaputt.’

Sie zieht mich in das Bett, oh Mann, was immer ich ihr alles sagen wollte, ich sag es nicht, statt SM jetzt Kuscheln, ist mir auch irgendwie lieber, ich bleib und sie kuschelt sich mir in den Arm, oh Mann, ist das ein  schönes Gefühl, gerade als ich mich beginne zu fragen, wer denn nun hier wen gezähmt hat, küsst sie mich und mein Kopf macht Pause.

Das ganze Wochenende bin ich geblieben und diesmal war es richtig toll.

Ich glaub ich bin verliebt.“